Lost in Translation / Zwischen den Welten (NaPoWriMo 30)

I do not dare Ich wage es nicht
to translate ein Gedicht zu übersetzen
a poem jedes Wort, jede Leerstelle,
every word, every space, every pause
jede Pause im Singsang der Silben
in the syllables‘ singsang
has meaning ist bedeutungsschwanger
sometimes… manchmal…
And sometimes und manchmal
ist ein Wort nur dazu da
a word is there only
den Rhythmus aufrecht zu erhalten
to keep up the rhythm

Who am I Wer bin ich
to decide what goes
and what stays?
zu entscheiden, was fehlen wird
und was bleiben darf?
I am not God Ich bin nicht Gott
nor the Creator noch der Schöpfer
I cannot deciper and transfer
Ich kann nicht jede doppelte Bedeutung
each double meaning
entschlüsseln und übertragen
And I cannot bear to lose
Und ich kann es nicht ertragen
a single word.
auch nur ein einziges Wort
zu verlieren.

 

First of all, I am very honored to be the featured poet today at NaPoWriMo.net. That provided a host of motivation for the final day of April. The prompt was to translate a poem, either by sound (if you don’t know the language) or to truly try to get the meaning and hidden meaning from one language into the other.
I have tried to translate my own poems in the past, and have failed many times. And that was, when I did know what I had meant to express with the poem. I cannot do that for a stranger. When it comes to translating, I am a perfectionist. A poem, a form that is so dense and lyrical and plays with words, is a thousand times harder to translate than an instruction (something at which I have also tried my hand). So I chose to write a sort of translated poem instead, about why poetry is intranslatable. Inspiration came from Lo que se pierde by Alastair Reid. We were introduced to this poem on the first day of a Spanish translation course at university.

Zuerst möchte ich mich dafür bedanken, heute der vorgestellte Gedicht-blog bei NaPoWriMo.net zu sein. Ich fühle mich sehr geehrt und konnte gleich für den letzten April-Tag voll durchstarten. Heute sollten wir ein Gedicht übersetzen, entweder so wie man es kennt, versuchen die Bedeutung zu übertragen, oder homphon, d.h. bei einer unbekannten Sprache nach Gehör raten, was es heißen könnte.
Ich habe schon einige Male versucht meine eigenen Gedichte zu übersetzen und bin meistens grandios gescheitert. Und das, obwohl ich als Autorin ja wusste, was ich damit ausdrücken wollte. Wie könnte ich das für fremde Werke wagen? Wenn es ums Übersetzen geht bin ich perfektionistisch. Ein Gedicht, so dicht und lyrisch und voller Wortspiele, die nur in einer Sprache funktionieren, ist so schwer zu übersetzen. Also habe ich beschlossen ein quasi übersetztes Gedicht neu zu schreiben, darüber, dass Gedichte eigentlich fast unübersetzbar sind. Inspiriert wurde ich dabei von Lo que se pierde von Alastair Reid, das in der ersten Stunden meines Spanisch-Übersetzungskurses vorgestellt wurde. Es spricht mir aus der Seele.

 

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Been there… (NaPoWriMo 29)

I remember a white stretch limo
huge in my young tired excited eyes
taking us through the dark

I remember picknicking in front of an iglu
we built ourselves
food cold too fast, cold feet, cold hands
cool thing!

I remember three riding one scooter
mom pushing hard, my brother on the backseat
and me between moms’s arms, wind in my face

I remember longing to swim out to the platforms
in the deep end of Centennial Beach,
but not daring to take the test

I remember sitting in the grass
by the side of a neighbor’s soccer game
I see every blade so clearly
smell the freshly cut and crushed plants

I remember searching small plastic spheres
in the playground with three first-graders,
Sarah, Sahitya, one name forgotten,
the light blue ones were the rarest

I remember the school smell
of chalk dust in carpet floors
and half soft glue constructs
in the smoothness under my desk

I remember mom’s wet nightgown
clinging to my sunburn all over
after a swim in Lake Michigan
diving to dig under-water holes

I remember hugging the tree in front of the house
promising to come back to hug him again
a promise I was too late to keep – he was cut down

I remember missing,
missing from there and missing there
missing from here and missing here
missing will be a part of me always

I remember grape and apple jolly ranchers,
gifts from an old home
remember the way they were almost soft and terribly sticky
when I finally ate the last one,
after having saved it for years

I remember shivering under so many skies full of stars
– the cold and the grandness
of being young and us three there
in the woods, the plains, the desert

I remember the slightly nervous feeling
before arrival at an old or new friend
rarely knowing what to expect
yet always leaving reassured

I remember endless streets,
900 km straight through the dark
by day comparing the open sky and grass
to the distance from a missing lover

I remember a hot and sticky night
curled up and packed into the backseat
almost crying because my cramped legs hurt

I remember exploring, anew again every city
just walking, finding a map, walking with hurting feet
and finding small wonders
„On this site in 1897 nothing happened“

I remember the sweet smell of asphalt
rising from the streets,
sometimes, I encounter it even here
A memory reborn in reality

 

Maureen at NaPoWriMo.net prompted us to write a poem based on what we remember. I just started writing – I remember a lot of things. At some point, when I stopped, and tried to find a common topic, a lot of the things were from the times I spent in the US, so I chose to write about that.

Heute sollten wir ein Gedicht über Erinnerungen schreiben, welche voller Details. Ich habe einfach losgeschrieben und erst irgendwann fast 2 Seiten später aufgehört und zurückgeblickt, nur um dann viele Momente aus meinen Zeiten in den USA vorzufinden. Also habe ich einiges weggelassen, dann beim Abtippen sind mir noch mehr Sachen in den Sinn gekommen und jetzt steht das da, was da steht.

Universal (NaPoWriMo 28)

Am Schluss
war
Sein und Nicht-Sein
Licht und Dunkelheit
Kälte und Hitze
Klein und Groß
alles in einem Punkt
folgte
rapider Ausbreitung
alles verzehrendes Feuer
ein Verschmelzen, Binden, Ändern
neue alte Elemente
wurden geboren
Sterne verbrannten
Planeten entstanden
Dehnt sich das Universum aus
bis ins Jetzt
Auf unserem kleinen blauen Planeten
Ein Tag endet
fragt sich wo führt das hin
fragt sich woher kommen wir
Eines Tages erwacht ein Mensch
Leben wächst, wird komplexer
Leben entsteht und durchbricht die Stille
Ein Tag beginnt
auf unserem kleinen blauen Planeten
bis ins Jetzt
dehnt sich das Universum aus
Planeten entstanden
Sterne verbrannten
wurden geboren
neue alte Elemente
ein Verschmelzen, Binden, Ändern
alles verzehrendes Feuer
folgte
rapider Ausbreitung
alles in einem Punkt
Klein und Groß
Kälte und Hitze
Licht und Dunkelheit
Sein und Nicht-Sein
war
am Anfang

 

Heute wurden wir auf NaPoWriMo.net dazu angeregt eine Geschichte zu schreiben, aber eine, die von hinten nach vorne erzählt wird, also vom Schluss bis zum Anfang. Ich hatte das Bedürfnis die größte Geschichte zu erzählen, die Geschichte unseres Universums. Ich stelle es mir gern als einen ewigen Kreislauf vor: Das Universum dehnt sich aus, wird größer und größer, kollabiert und stürzt wieder in sich zusammen, um sich dann wieder auszubreiten. Mag sein, dass das nicht immer ganz dem Stand der Astrophysik entspricht, aber für dieses Gedicht funktioniert es. Man kann es sowohl von vorne, als auch von hinten lesen (wobei ich den Schluss an den Anfang gestellt habe), und so immer wieder pendelnd hin und her lesen zwischen Ausdehnen und Kollabieren.

Today’s NaPoWriMo-prompt was to write a story that is told backwards, that is to say, from the ending to the beginning. I felt the urge to write the biggest story of all, the story of our universe. I like to think of it as a big cycle: The universe expands, gets bigger and bigger, then collapses into itself, just to start expanding again. It may be that this way of thinking does not correspond to the latest astro physics research, but for this poem it works. It may be read from front to back, as well as from back to front (but to cause even more confusion, I put the end at the beginning, in accordance with the prompt), so you can read back and forth between collapse and expansion.

Wintereinbruch (NaPoWriMo 27)

Eiskalte Windstöße umblasen mich, drängen mich mit gebeugtem Kopf vorwärts
Der Winter hat den Frühling zurück in die Erinnerungen gestoßen
Seine nordischen Böen umklammern mit klirrenden Fingern meine Hände
und lassen die bloßen Arme und sonnengewärmten Gesichter verblassen
Sie waren einmal, vor nur zwei Wochen hatte man sich schon im Warmen gewähnt
Jetzt rieselt dichter Frühlingsschnee fast wie Blütenblätter vom Himmel
Die letzten ersten Blumen sind wie überlebende Farbtupfer im Grau
und die Passanten verstecken sich wieder in dicken Mänteln und unter Mützen
Nur Wagemutige schütteln die Faust gegen den Winter und verweigern sich,
sie frösteln in kurzen Hosen mit dünnen Strumpfhosen oder T-shirts
Eiskalte Windstöße ziehen die Wolken vorwärts, grau marschieren sie dahin
und nur manchmal bäumt der Frühling sich auf und schiebt mit letzter Kraft ein paar Wolken zurück

 

Heute war die „NaPoWriMo-Aufgabe„, lange Verse zu verwenden, was sich erstmal ziemlich ungewöhnlich angefühlt hat. Ich rede zwar oft in langen Sätzen, aber beim Dichten füge ich gerne mittels Zeilenwechsel Denkpausen ein. Letztendlich hat es mir aber gefallen. Das Thema rührt von einem Erlebnis heute morgen. Mittlerweile ist es Ende April, aber wir haben gerade einen ziemlichen Kälteeinbruch, Schnee, Hagel… wenn auch nicht in Mengen, so doch genug, um daran zu erinnern, dass wir eben noch nicht sicher im Sommer sind, auch wenn man es vor ein paar Wochen noch denken hätte können.

Today’s prompt at NaPoWriMo.net was to incorporate long lines into our poem. For me that felt rather strange at first, because even if I do like to talk in long sentences, for my poetry I keep the lines shorter to iniate „thought-pauses“. In the end, I quite enjoyed myself though. Here it has gotten really cold in the past few days, kind of a turn around from a few weeks ago, when it was almost summery. Now we’ve got snow, some hail, rain and cold, cold, cold…

 

 

Durch das Fenster (NaPoWriMo 26)

Ich blicke aus meinem Fenster
dem Fenster meiner Seele
und sehe
Dunkelheit
spiegelnde Dunkelheit
Dunkelheit die alles Licht verschlingt
Licht, das nur gespiegelt ist
Das niemals wirklich dort war

Ich blicke aus meinem Fenster
dem Fenster in meinem Zimmer
und sehe
spiegelnde Dunkelheit
Finsternis in der sich Licht spiegelt
Schreibtischlampen von suchenden Dichtern
Stifte von findenden Dichtern
und die Ampeln schalten auf grün
draußen in der Dunkelheit
Und die Autos nicht mehr auf rot

Ich blicke aus meinem Fenster
in das Fenster von gegenüber
das Fenster in dein Leben
und siehst den gleichen Blick
wie einen Spiegel
Er wirft meine Hoffnungen und Sehnsüchte
auf mich zurück
Und verstärkt sie noch

Ich blicke aus meinem Fenster
dem Fenster meiner Seele
und sehe
Licht
Licht das alles durchflutet
das mich überflutet
das mir den Atem raubt
und mich ganz ausfüllt
das aus mir heraus strahlt
und sich Wege sucht
durch die Dunkelheit
Wege die sich immer wieder ändern
sich verabschieden, sich finden, sich kreuzen
sich verlieren, sich treffen
sich umarmen…

Ich blicke aus meinem Fenster
Und blicke ins Nichts
nichts
nur ich
nicht einmal ich

 

Heute war Maureen’s prompt bei NaPoWriMo.net ein Frage-Antwort-Gedicht zu schreiben. Eigentlich war es eher im Sinne von ritualisierten und wiederholten Antworten einer Gruppe gedacht. Mein Gedicht ist aber, obwohl es ihm nicht anzusehen ist, als Zwiegespräch entstanden. Ich habe mit einem Freund Zeilen ausgetauscht, Verse in den Raum gefragt und dann Antworten beantwortet. Ein sehr inspirativer Prozess! Danke!

Today’s NaPoWriMo.net prompt made me write a question-and-answer-poem, though not in the form of ritualized responses or similiar to sea-chanties… My poem was created in a sort of conversational progress. A friend and I exchanged lines, verse were questions and answers, and answered answers. A very inspirational process! Thank you!

Umlaufbahn (NaPoWriMo 25)

Ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
die Sterne drehen sich darüber weg,
die Wolken wandeln, weiche Schritte
sieht hoch am Himmel wer sie nachts entdeckt.

Sie dreht sich um sich selbst, Tanz der Giganten,
und wirbelt um die Sonne durch den Raum.
Die Winde wehen um sie wie Bekannte
vernebeln ihre Hügel wie im Traum.

Der Tanz geht so schon lang, seit Ewigkeiten
und wird so weiter gehen wie bisher
durch kalte, noch einsamere Weiten,
nach ihrem fernen Partner, sehnt sich sehr

Sie tanzt so lange bis das Feuer sie verschlingt
und für uns alles Ende mit sich bringt.

 

Die optionale Tagesaufgabe auf NaPoWriMo.net lautete heute, ein Gedicht mit einer Zeile aus einem anderen Gedicht zu beginnen. Ich habe einen Vers aus aus Rainer Maria Rilkes „Der Panther“ gewählt, da mir dieses Gedicht immer wieder begegnet, auf einer CD mit musikalischer Untermalung, im Schulunterricht, auf einem Workshop. Es hat sich mir eingeprägt. Ich hatte allerdings, wenn diese Zeile allein steht, statt dem Panther, die sich drehende Erdkugel aus dem Weltall gesehen im Kopf.

Todays optional prompt was to begin our poem with a line from another poem. I chose Rainer Maria Rilkes „Der Panther“ (the panther), because this poem seems to pop up often in my life. We have a CD with poetry and music at home, of which it is part, I learned it by heart at school and met it again during a poetry slam workshop. Seeing this line standing alone though, I do not see the panther pacing his cage, but a rotation earth-sphere, seen from space.

 

 

 

Bilateral train-ride (NaPoWriMo 24)

I’m taking the train
to university
Through a window
the sun throws a kaleidoscope
of colors
phosphenes in my eyes
I turn my head away
look down at my mobile
rather than into this amaranthine light
which masks the routine outside
house, house, tree, tree, street, street,
umbrellas in the rain,
hotpants in the sun
Not today though.
Finally I succumb to the magnetism of light
I look up
Unabashed I let myself be blinded,
warmed by the alluring rays
Good morning sun!

 

Today’s prompt over at NaPoWriMo.net was to write a „mix-and-match-poem“, using both very fancy vocabulary, and day-to-day words. I wanted to write this poem in my mother tongue originally, but I didn’t come up with as many fancy words, as I’d wanted. For English, I had a ressource to use in addition to some words of my own. An american penpal of mine writes poetry as well and some with very intricate vocabulary. I remember one poem, where I felt like having to look up almost half of the words. Luckily, I keep my letters, and found it again. Thanks for your words! :)

Die heutige Anregung für den NaPoWriMo war es, ein Gedicht zu schreiben, dass gehobene Sprache mit belanglosen Alltagsvokabeln mischt. Eigentlich hatte ich es auf Deutsch schreiben wollen, aber das Duden Fremdwörterbuch hat mich eher abgeschreckt, denn inspiriert. Auf Englisch hatte allerdings noch eine andere Quelle zur Verfügung, nämlich die Gedichte von einer amerikanischen Brieffreundin. Ich erinnerte mich an eines, bei dem ich gefühlt fast die Hälfte der Worte nachschlagen musste. Zum Glück hebe ich die Briefe auf und hab es wieder gefunden. Danke für deine Worte!