Wahrsagung?

Die Zeit verrinnt, verrinnt, verrinnt
Wer wagt, verliert oder gewinnt
Wer hofft, der wartet auf das Glück
Wer geht, der schaut vielleicht zurück
Wer lernt, wächst über sich hinaus
Wer mag, der bleibt noch lang zuhaus
Wo Liebe ist, wird eins aus zwei
Glücklich, wer mit vollem Herzen dabei
Die Zeit verrinnt, wie Sanduhrsand
Die Zukunft kommt, noch unbekannt.

Die 3. Zeile ist inspiriert von einem Lied von Andreas Bourani. Das Gedicht ist zwar schon etwas älter, aber ich finde, es passt gut in die Zeit, die mir mal wieder davon zu fliegen scheint.

The third line of this poem is inspired by a song by Andreas Bourani (German singer). It might have been written some time ago, but I think it fits well into this time, which seems to be passing so fast at the moment.

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Pflanze einen Baum!

Wenn dich ein Unglück trifft,
pflanze einen Baum.
Wässere seine Wurzeln mit deinen Sorgen
und dünge ihn mit deinen Ängsten
Lege Lasten auf deine Schultern und tritt alles sorgsam fest,
dann komm jeden dritten Tag,
um deinen Unglücksbaum zu gießen.
Bald schon hast du ein Wäldchen,
in dessen Schatten
du bittere Tränen vergießen kannst
und aus dessen Blätterdach bei Regen
deine Traurigkeit tropft.
Ein Mahnmal der Schwere des Daseins
Dies ist kein guter Weg.

Wenn dich Glück erfüllt,
dann pflanze einen Baum.
Singe beim Graben des Pflanzlochs,
wässere seine Wurzeln mit Zuversicht
und dünge ihn mit Lachen.
Tritt die Erde sorgsam fest
und schick dabei deine Energie in den Boden
bis zu seinen Wurzeln.
Danach komm so oft du willst,
um deinen Baum des Glücks zu gießen,
seine Blätter mit sanften Fingern zu streicheln
und um ihn zu tanzen.
Bald schon hast du ein Wäldchen,
in dessen Schatten du mit Freunden lachen kannst
oder dich mit einem Buch in fremden Welten verlieren.
Jeder Baum eine glückliche Erinnerung,
eine Blume am Rand deines Weges.

 

Im Sprüchekalender eines Freundes stand am 11. Januar folgendes: „Jedes Mal wenn dich Unglück trifft, pflanze einen Baum. Der Schatten eines Wäldchens wird dich bald erfreuen“. Das hat mir ja sowas von gar nicht gepasst – ich sehe mich selbst als Optimistin. Also habe ich das Ganze ein bisschen umgedichtet. ;)

A friend of mine has a calendar with wise words and on january 11th, I read the following: „Each time you are befallen by misfortune, plant a tree. The shadow of a forest will please you soon“. Those words were totally against my positive attitude – I am an optimist.  So I kind of rewrote the words in my poem.

 

 

 

 

Wolkenzug

Wolken ziehen vorbei
wie Rauch aus Schornsteinen
Sie entschwinden
fließen in die Leere
zwischen den Welten
wo Goldflecken im Nichts tanzen,
die Seelen von Welten
wirbeln im letzten Tanz

Wir haben zur Zeit hier sehr viel Wind, und als ich neulich Abends schon im Bett lag, habe ich aus dem Fenster die Wolken vorbeiziehen sehen, als würden sie irgendwo hineilen. Und das hat mich an „His Dark Materials“ von Philip Pullman erinnert, besonders an „The Amber Spyglass“. Ich habe zwar einige Zeit gebraucht, aber jetzt finde ich das Buch wunderschön.

We have a lot of wind here these days, and when I looked out of the window recently I saw the clouds basically rushing by through the sky, as if they were going something. That reminded me of „His Dark Materials“ by Philip Pullman, a book it took me a while to enjoy, but now I really like it.

Schneeschwebe

Schön wie niemals sah ich jüngst die Erde
Nachtgedanken gingen durch die Welt
Grad ist es Tag, es summt das Lied der Jahre
und still zu wissen scheint der Schnee
in unermeßlich tiefen Stunden
dass Glück ihm günstig sei
in dieser Winterfrühe
Inneres und Äußeres, ins Urlicht gestürzt
ist auch das Dasein
Jahresringe wachsen in solchen morgendlichen Stillen

 

Das Schneetreiben vor meinem Fenster ist ein wildes Gewirr, und so besteht auch dieses Gedicht aus Teilen anderer Gedicht, wild durcheinander gewirbelt, wieder einmal aus dem „ewigen Brunnen“.

The snow falling outside my window is on a wild romp through the air, and this poem is likewise playing with other poetry, which I found in my collection „Der ewige Brunnen“ (=the eternal fountain)

Erste Verse/Überschriften u.a. von / Parts of the poem are first verses/titles of poems by M.-L. Kaschnitz, C. Meckel, H. Heine, G. Keller, J. W. Goethe, E. Mörike, F. Hebbel, F. Schiller, L. Steinherr, D. v. Liliencron