Farbenstrand

Wellen liebkosen diesen Strand schon seit Ewigkeiten mit feuchten Fingern. Sie sind gern gesehene Gäste und hinterlassen bunte Steine in beinahe allen Farben des Lichtes als Geschenk auf dem nassen Sand. Ein Mosaik zeigt die Grenze des Meeres an, das salzig ist, wie es Meere überall sind.

Fußspuren im Sand
bleiben in Erinnerung –
so nah doch so fern

 

2015-02-23 Oamaru bis Winchester (8)

Da./There.

Ab Morgen ist wieder April und das heißt: NaPoWriMo ist da! Zum Aufwärmen gab es heute schon ein Stichwort von Maureen – die Gedichtform des Tages ist der japanische Haibun, eine Kombination aus Prosa und Haiku, an der ich mich jetzt auch versucht habe. Traditionell wurde diese Gedichtform quasi als eine Art Reisetagebuch geführt und so handelt meines von meiner längsten Reise bisher.

Tomorrow is the first of April and that also means it’s NaPoWriMo again. As a warm up, Maureen at NaPoWriMo.net suggested writing a Haibun, which is a combination of prose and Haiku, which is traditionally written as a kind of travelogue. What could be more natural than to try my hand at a Haibun about my longest travels yet?

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Zwei Zuhause

Hier ist es Nacht
um 11
Straßenlaternen zeigen die Wege,
aber Menschen zeigen sich nicht
Fenster sind dunkel, leer, verschlossen
mit Jalousien verbarrikadiert.
Von meinem hellen Fenster aus
überblicke ich Häuser und Straßen
Man könnte gehen
diese Straßen sich zu eigen machen
– meine Straßen –
Schritte hallen seltsam auf ihnen
zwischen den schlafenden Fenstern

Hier ist es warm
um 11
Fenster blicken wie goldene Augen,
deren Lichtschein mir zuwinkt,
verteilt in unüberblickbarem Muster
und Menschen bewegen sich in ihnen
wie Pupillen
Von meinem dunklen Fenster aus
– dunkel damit ich die Nacht erkenne –
sehe ich Fenster wie meins
und Menschen wie mich
und ein Stück vom Nachthimmel
Man könnte sich ins Gras legen und fühlen
Geborgenheit zwischen den Fensteraugen
und Freiheit in den Nachthimmel hinaus

 

Ich besuche meine Familie regelmäßig, aber in meiner WG fühle ich mich auch sehr heimisch. Trotzdem unterscheiden sich die Nachtstimmungen erheblich. An einem Ort bin ich die letzte die schlafen geht, durch die Stille. Am anderen Ort, eher selten.

I visit my family regularly, but I feel very at home in my shared flat, too. Nevertheless, both are different, especially when it comes to how they feel at night. At one place, I tend to be the last one going to sleep, at the other, that is usually not the case, just because there are so many people in the windows around me.

Jarchas / Ḫarǧas

Brother & Sister-Vowels belong together, they think
So they hide
away from their straight stock-still consonant cousings
They dance their invisible dance
gleefully unaware
that hundreds of scientists
are observing them
prying into each empty space
waiting for each move
hoping to glean meaning
from the Vowel’s mysterious dance
Sister & Brother Vowels belong together, they think
so they promise themselves everlasting-friendship
and weave an indivisible web
of midnight meaning.

 

Somehow I seem to dwell on the words themselves at the time… This poem is about a topic I heard about in my spanish linguistics lecture. Jarchas / Ḫarǧas or else in English, Kharjas are the last few lines of an arabic poetry form. Some of these were written in Ibero-romance, though it took a long time for linguists to recognize this, because they were written in Arabic, and this language does not contain vowels. The Ḫarǧas are still an issue of research and discussion about the extent of Romance language in them. For further information see this Wikipedia-Article on Ḫarǧas.

Zur Zeit komme ich nicht von den Wörtern los. Ich drehe mich mit ihnen und auf ihnen im Kreis – es wird Zeit, dass es wieder NaPoWriMo wird, damit ich neuen Input zum Schreiben bekomme. Dieses Gedicht ist eine andere Sicht auf Jarchas (Spanisch) / Ḫarǧas  (arabische Umschrift), oder auf Deutsch Chardschas, die letzten Verse einer arabischen Gedichtform, die ich aus meiner Vorlesung zur spanischen Sprachwissenschaft kenne. Einige der Ḫarǧas wurden in einer ibero-romanischen Varietät verfasst (zumindest nach Meinung mancher Linguisten), was natürlich zur Erforschung der Entwicklung der spanischen Sprache toll ist. Allerdings dauerte es sehr lang, bis man das erkannte, das auch die Ḫarǧas in arabischer Schrift verfasst wurde, und diese keine Vokale enthält. Somit hat das Entziffern des Romanischen auch etwas von Rätselraten. Wenn euch das Thema näher interessiert, empfehle ich zum Einstieg diesen Wikepediaartikel über Ḫarǧas.

So they say…

Little girls can’t fly, they say
but I can – you give me wings
you make me soar through open skies
float above the ground
Little girls can’t touch the stars, they say
but I can – you lift me up
until I can feel their warmth
coarsing through my fingertips
along every inch of skin
Little girls can’t breath underwater, they say
but I can – with you I dive
into my my deepest oceans
and your kisses are all the air I need
There’s nothing that’s impossible
for little girls like me
as long as there’s someone beside them
– someone like you.

 

Sometimes, all you need is someone to believe in you. And then problems become easiser to solve, bridges across the ravine are suddenly visible and you can see the stairs up the mountain.

Manchmal braucht man nur jemanden, der an einen glaubt, damit Probleme lösbar werden.

Mäandernd

Gedanken lassen sich nicht zähmen
Sie ziehen dahin
wie Tiere auf der Suche
nach Lebensnotwendigkeiten
Du schickst sie
in die Wüste
Aber kaum drehst du ihnen den Rücken zu
schleichen sie hinter dir vorbei
zum Wasser
Du versuchst sie zu fangen
doch sie glitschen dir
aus den Fingern
und weigern sich
still zu stehen
Du versuchst
sie zu binden
zu konzentrieren
ihnen eine Aufgabe zu zu weisen
Doch allzu oft verirren sie sich
auf dem Weg zum Ziel
und du denkst etwas völlig andres
Du suchst einfach nur nach dem Weg zur Poesie
doch statt Inspiration verliest du dich
irgendwo zwischen Romanen und Ratgebern
Und was heraus kommt
ist jedes Mal etwas anderes

 

Irgendwie schaffe ich es gerade nicht so wirklich, mich zu konzentrieren. Na ja… Dann spielen meine Gedanken eben mit meinen Ideen, Sorgen und Plänen Fangen in meinem Kopf.

Somehow concentration is not really my thing right now. Well… I guess my thoughts will play catch with the ideas, worries and plans that also reside in my head.

What are words

They dance on white papery floors
swirling, dipping, diving
in blue inky depths
They dwell on the tip of my tongue
waiting to leap,
but not daring to – yet
They march across the snow
unstoppable in Times New Roman
They fight for justice and peace
screaming truth into the world,
yet also opposing themselves
tripping up innocence in sneaky loopholes
They stumble and fall
into silence.

But never for long.
Their lives persist beyong our imagination
and one day
when the universe has long since been lost
in fire and dust,
words will whisper
among the empty skies.