(16) In der Luft

Etwas liegt in der Luft.
Es ist Knistern und Knirschen von Kies
unter Fahrradreifen
Es sind Autos
und wie überblasene Querflötentöne
heult es durch den Tunnel
Es ist ein sonores Knattern, ein Schlachtschiff-Motorrad
brummt durch die Luft
Es sind aufschlagende Füße, in den Kies
im Rythmus in der Luft
Es sind Tschilpen und Zwitschern und
Pfeifen und eine Glocke – nur ein Schlag
durch die laute Stille in der Luft
Es ist der Duft von Neuanfang
von hellem Grün in der Luft
und noch ganz weichen Blättern
Es ist etwas meer-salziges in der Luft
wie ein Blatt, das den Winter im Wasser verbrachte,
es hängt in der Luft, ein Hauch von Flieder,
trägt der Wind durch die Luft
Es sind Düfte von mir unbekannten
Blütenpflanzen.
Es ist zu kalt – noch – um schon
Sommer sein zu dürfen und doch
es liegt ja in der Luft
mit dem Gesicht zur Sonne hin,
könnt man den Winter schon vergessen
Es ist der Wind, trägt
eine leichte Kälte durch die Luft
und meine Haare sanft zerzaust.
Es sind die Bienen, wärmetrunken taumelnd
fast gegen Fenster und ins hellste Blau der Luft hinauf
Es sind Vögel, vertrauensvoll fallend
und getragen durch den Wind
Es ist Frühling in der Luft.

 

Meine persönliche Inspiration kam heute von einem Platz an der Donau, den ich mir gegönnt habe nach einem gescheiten Frühjahrsputz. Inspiriert war mein Schreiben aber natürlich auch wieder vom heutigen Schreibanreiz, wo es darum ging, in Form einer Art Liste Gewöhnliches Besonders zu machen.

Today Maureen prompted us to „defamiliarize the mundane“, to focus on the extraordinariness of everyday things and to utilize a list poem to that end. My personal inspiration came from a refreshing spring clean and a place by the Danube.

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