Schwebe

schwerelos
kleine Blätter treiben über den Himmel
flaschenunergründlich leichtet die Dämmerung daraus
rosa-orange wie nur sie es kann
still
nur Abendläuten vom anderen Ufer
der Tag löst sich in winzige Wellen auf
selbst das Hintergrundrauschen verstummt
zauberhaft
zarte silberne Fische huschen unter der Oberfläche dahin
meine Hände schweben im Dämmerlicht dazwischen
die Zeit steht still, dem wohnt ein Zauber inne
gedämpft
warme Luft perlt an mir ab und hüllt mich ein
steigt um mich herum vom Boden auf
und lässt den Traum nur langsam los
lebendig

swimming

 

Heute war ich relativ spontan im Fluss schwimmen, allein. Ich bin weiter als zuvor geschwommen mit dem Abendläuten wieder am Strand angekommen und habe ausgeharrt, bis die Glocken ausgeklungen waren, bevor ich nochmal ein Stück flussaufwärts geschwommen bin. Es war wunderschön! Danach war ich irgendwie in einer anderen Welt und wäre einmal fast in einen Laternenpfahl gefahren mit dem Fahrrad auf dem Rückweg.
Noch eine Anmerkung: Ein Teil des 12. Verses ist aus Hesses „Stufen“, auch wenn dessen Inhalt meinem fast entgegengesetzt ist.

Actually I had had other plans, but then I decided spontaneously to go swimming in the river and had a magical time. I felt like I was the only person, even though there were many others at the beach. I swam upstream as far as never before, then arrived back at the beach just in time for the evening bells. I stood still until they stopped ringing, then swam some more before biking home with my head in the clouds – another world entirely.

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Beobachtend

Die Musen sind in der Sonne eingeschlafen und all die dichterische Innovation treibt auf einem Floß den Regen hinunter. Ich treibe durch den Tag wie Pappelpollen auf dem Wind. Er duftet nach Erdbeere, so saftig, dass sie die Finger rot färben und verschafft wenigstens ein wenig Erleichterung. Die Glieder werden schwer, sodass Aufstehen zu einer Aufgabe wird und gleiten doch so leicht durch dunkle Wellen, in denen sich die Abendsonne spiegelt.

Unter den Sternen
duftet der Wind noch einmal
nach Erdbeeren

 

Eigentlich ist dem nichts mehr hinzuzufügen. Vielleicht, dass es sich um einen Haibun handeln soll, siehe meinen Beitrag Farbenstrand von Ende März.

Today was a real summer day, and we floated through it, picking strawberries, having a barbecue, swimming. What could be better? Remembering the Haibun-Pre-Prompt before this year’s NaPoWriMo…

Sommertage

Zeit fließt flirrend über warme Straßen
schwingt sich um die Laternenpfähle empor
tanzt zwischen den Blättern der Bäume und Kräuter auf dem Balkon
gleitet über das Wasser der Donau, kräuselt die Oberfläche – ganz leicht –
es muss die Zeit sein, denn der Wind steht still
Und schon wieder ist einer dieser frühen Sommertage – vorbei
Nichts geschafft und doch alles
genossen, die Zeit winkt von hinter der nächsten Ecke
und wir
lassen uns treiben.

 

Eigentlich gibt es gerade Feiertage en masse, wir haben noch nicht wirklich viel zu Lernen oder tun, meine Referate liegen hinter mir, aber trotzdem scheinen die Tage sich die Klinke in die Hand zu geben. Noch dazu ist es Sommer geworden, die ersten Mutigen schwimmen schon im Fluss. Irgendwie sind die Verse dieses Gedichtes ein wenig so wie die Tage geworden, unerwartet, langsam, aber trotzdem irgendwie schnell vorbei.

One should think enough time is presently there, what with all the holidays we’re enjoying, but actually the days just seem to fly by at the moment. And summer is here, it’s so warm the first brave ones are already swimming in the river.

Frühlingsdüfte

Schließ die Augen, lass dich –
einmal – von der Nase leiten
Frühling lässt die Düfte flattern
in der leicht erwärmten Luft

Flieder, weiß und träge gleitend
süß und schwer legt er sich über
frisch geschnittenes Gras,
feucht und warm, es kitzelt
in der Nase wie die Grashalme

Eine ganze Blumenwiese,
durcheinander, gänzlich unzuordenbar,
klar begleitet durch den Grill
rauchig, deftig wecken Hunger
und der Appetit ist da

Warme Gleise riechen nach Ferne
und auch nach Erinnerung
Klebrig, süß und bitter, dampfig
trifft auf kalte Morgenfrische
kühl-neutral, sie riecht nach blau

Schließ die Augen, Sinne offen
für so manchen neuen Duft
Frühlingsfinger streicheln Nasen
und verwöhnen durch die Luft

 

Ich versuche zur Zeit meine anderen Sinne zu öffnen und gerade, wenn man aus einem stickigen, fensterlosen Hörsaal ins Freie tritt, fühlt sich alles viel intensiver an.

I try to enjoy spring with all my senses, even the ones I don’t usually use as frequently. Especially when you step out of a stuffy, windowless lecture hall, the smells (and sights and sounds) of a beginning summer feel so intense.

Türen

Türen über Türen
Wege gehen gerade
gabeln sich, kreuzen sich
Wir gehen so vor uns hin
nichts als den eigenen Weg im Sinn
Spüren wir sachte den Luftzug –
spüren wir die Tür?
Neue Wege öffnen sich
und wir wagen den Weg
gehen hindurch?
oder warten wachsam
auf die nächste Tür?

Nach einer Woche Schreibpause mal wieder ein kleines Gedicht. Ich habe ein wenig mit Alliteration herumgespielt und meine Balkontür stand offen.

After my one-week-writing-break after NaPoWriMo, a short poem in which I played around with alliteration a bit. And just in case you’re wondering: the door to the balcony was open.

Zweisamkeit – Gemeinsamzeit

Zweisamkeit – Gemeinsamzeit hätte ich gern
mit dir zu zweit, doch du bist fern
Tage rinnen wie Sand
durch die Hand
Zeit
allein ist vorbei
bald sind wir dann zwei
und haben gemeinsam alle Zeit der Welt
Zweisamkeit – Gemeinsamzeit, die uns zusammen hält

Dieses Gedicht ist quasi ein Nachtrag, ich hatte am 18. April erzählt, wie ich auf das Thema zum Neologismen-Gedicht gekommen bin. Dieses hier ist zum damaligen Prompt zu „visual poetry“ entstanden.

I mentioned this poem as my inspiration for neologisms a few days back, on April 18th. Back then I found the words by „leafing“ through e-mails… I like the thought of poetry inspiring poetry inspiring poetry and so on.

NaPoWriMo 16: Farben des Lebens

Glück ist eine Farbe
.   die des ersten Grüns nach dem Winter
die deines Lächelns hinter den Rosen
.   die deiner Augen, wenn du lachst
die der Sonne auf der Haut am ersten freien Tag seit langem
.   die des Wassers an einem viel zu heißen Sommertag

Warten ist eine Farbe
die eines Blatt Papiers, von dem man den Hintergrund nicht mehr erkennt vor lauter Schrift
.   die einer Wand von der man jeden Zentimeter kennt
die einer Fensterscheibe, der Blick ändert sich im Lauf der Zeit, sie bleibt
.   die in der Dunkelheit wartet, wenn man die Augen kaum noch offen halten kann

Traurigkeit ist eine Farbe
.   eine von vergossenen Tränen
die von nassem Stoff
.   die von alten, ungelesenen Briefen
die von vertrockneten Blumen

Hoffnung ist eine Farbe
.   die eines einsamen Sonnenstrahls
die des ersten Schneeglöckchens, das sich durch die Eisdecke wagt
.   all die eines Regenbogens
die eines Waffenstillstands an Weihnachten
.   die eines Feuerwerks in der ersten Sekunde des neuen Jahrs

Liebe ist eine Farbe
.   die von Rosen
die von deinen Fingern, wenn du schreibst
.   die von deinen Lippen, wenn du mich küssen willst
die von Herzen, die sich in der Mitte treffen
.   die von Augen, die ineinander versinken

Das Leben ist ein Regenbogen voller Farben
mal es aus
lass dein Leben
bunt werden.

Heute wurde bei NaPoWriMo.net eine Dichterin vorgestellt, die Inspiration aus einem Briefwechsel zieht. Entsprechend ist unser Thema heute das Schreiben von Briefen. Letztendlich bekomme auch ich viel meiner Inspiration aus einem Austausch, allerdings meist von E-mails. Daraus sind schon viele Gedichte und Antwortgedichte entstanden. Das heutige Gedicht ist nochmal in einem kürzer-gefassten Medium entstanden, via der App Telegram. Die eingerückten Zeilen stammen von meinem Schreibpartner, die anderen von mir.

Today’s prompt challenged us to take inspiration from writing letters. This is actually something I do on a regular basis – many of my poems come into being in correspondence. Today’s is one I wrote together with my writing partner and more than pen pal!