Zum Wir

Ein Wir, ein Uns, ein Miteinander
füllt die Leere, die einmal war.
Es blüht in mir, unter dem Flieder
stehen Rosen in voller Blüte.

Das Wir ist gewandert aus der Ferne;
Du und ich, gesucht, gefunden.
Es gibt nur eines, ein Uns,
dem sich unser Bewusstsein langsam anschlich,
wie Kinder, die wir waren.

Ewige Frage: Ist er’s? Ist sie es?
Alles ist auf dem Weg dorthin
durch Ich und Du zum Wir
unter den Flieder gewandert.

 

flowering lilac

Foto von /Photo by Charlotte Coneybeer auf/on Unsplash

Ich hab einen Prompt aus dem April wiederholt, den von Tag 18, mit einem Gedicht, dass ich mir damals nach dem Schreiben schon überlegt hatte, also dass ich das Gedicht „Nur zwei Dinge“ von Gottfried Benn mal in Zusammenhang mit dieser Schreibanregung verwenden will.

I repeated a prompt from NaPoWriMo, that of Day 18, about writing a backwards reflection poem. I used „Nur zwei Dinge“ (=Only two things) by Gottfried Benn. That poem was on the same page as the one I originally took inspiration from during NaPoWriMo, and back then, after taking a fleeting look at it, I’d decided I wanted to redo the prompt with it.

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NaPoWriMo 30: Anekdoten – Dank an den Tierdokuschauer

Wenn Du und ich Schuppen haben
wechseln wir das Shampoo
Pangolins können das als einziges
Säugetier nicht, ihre Schuppen sind fest
gewachsen.

In Japan sind Kugelfische eine Spezialität
– die, nebenbei bemerkt, zum Tod führen kann –
aber Delfine benutzen sie als Droge
Vielleicht sollten wir das mal ausprobieren, noch mehr
Nervenkitzel.

In einem Löwenrudel ist die Arbeit klar geregelt,
die Löwinnen übernehmen 90% der Jagd
der Löwe brüllt gelegentlich – aber das können
männliche Strauße auch – warum kommt mir das nur
vage bekannt vor?

Manche Vögel mögens heiß – und sparen
sich den Nestbau. Das Malau-Huhn legt Eier
in Vulkanasche, man muss nur aufpassen, das Ei
rechtzeitig vor dem Garen abzukühlen,
sonst wird es hart.

Die einzigen Säugetiere mit Menopause sind
weibliche Buckelwale, Elefanten und Menschen.
Drei graue Eminenzen – wie Hitzewallungen wohl
im Ozean wirken? In der Savanne? Ein Bild im Kopf:
Fächelnde Ohren.

Eine beneidenswerte Fähigkeit haben Kühe:
Sie können im Stehen schlafen, also selbst
in der vollen U-Bahn oder im Aufzug, aber
Träumen können Sie nur im Liegen, Träume sind
für ruhige Nächte.

 

Die heutige Inspiration bezieht sich auf Jorge Luis Borges: Wir sollen einen merkwürdigen/bemerkenswerten Fakt in unser Gedicht einbauen. Ich bin wohl etwas über das Ziel hinaus geschossen und habe gleich mit mehreren geschrieben. Mein Schreibfreund unterhält mich gelegentlich mit solchen Fakten aus dem Tierreich, ein paar der hier poetisch elaborierten stammen auch von ihm.

Today’s prompt was to take our cue from Jorge Luis Borges and write a poem around a strange fact. My pen’n’poetry pal occasionally sends me this kind of fact as a distraction in boring lectures, and his are mostly about animals. I’ve used some of them (and some others) in this poem.

NaPoWriMo 28: Postcard to Someone

I saw you on campus. You were sitting there by that small lake, doing nothing but looking up into the sun. And everyone around you was bowed over their screens, squinting to see irrelevant words, belittled by the sun. Or they were walking, heading somewhere out of the sun, needing to reach someplace different. I could see your lips moving, singing a song I couldn’t hear, and you looked so happy, sitting there in the sun. I stood in the shadows, wanting to tell you how beautiful you are, shining inside out like the sun. And just as I am preparing to step into the sunlight, stepping up to you, unbiting my lips to speak to you, you get up. You brush a strand of hair behind your left ear, and bounce away through the sunny afternoon. I stay behind.

sun

Today’s prompt at NaPoWriMo.net was to write a prose poem, suggesting to write a post-card type poem.

Heute gab es als Inspiration die Aufforderung ein Prosagedicht in Form einer Postkarte zu schreiben.

NaPoWriMo 21: Spiegeln

Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die Schönste im ganzen Land?
Und immer muss ich sagen: Du,
egal was ich mir denk dazu.
Sie stehn vor mir und sehen nur
die Perfektion ihrer Frisur,
sich selbst – darum das alles kreist
und weiter geht er nicht – ihr Geist.
Sich selbst von oben, von der Seite
dargestellt in voller Breite.
Und ich lasse mich noch ausnützen,
ich habs so satt, zu unterstützen
dieses sich nur um eines drehen,
nicht über Tellerränder sehen.
Ich würde gern das unterbrechen,
um über Tieferes zu sprechen:
All die Probleme unserer Zeit,
statt Fokus auf Äußerlichkeit.
Es gäbe so viel Drängenderes,
was es auch ist, sie sprengen es,
ob Mensch, ob Tier, ob Stadt, ob Wald;
so viel Unglück, Krach und Gewalt.
All das würd ich so gerne sagen,
statt mich mit Haaren rumzuplagen.
Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist der Schönste im ganzen Land?

 

Als Idee war heute der Mythos um Narcissus gegeben, den wir in unsere Gedichte einbinden sollten. Ich habe aus der Sicht eines Spiegels geschrieben.

Today’s prompt was to write a poem reflecting on the Narcissus-Myth. I chose to write from the perspective of a mirror which is frustrated because of the superficiality of the people who stand before it.

NaPoWriMo 20: Man muss auch mal rebellisch sein

Man denkt so oft ich bin zu klein,
muss man nicht groß und wichtig sein
auch Macht haben um Dinge zu wandeln
mal nicht zu warten, sondern zu handeln?
Rebellisch sein ist doch ganz leicht –
sein muss es, damit man was erreicht!

 

Heute sollten wir auf irgendeine Weise Rebellion in unsere Gedichte einbauen. Die jeweils ersten Wörter der Verse ergeben von oben nach unten glesen den Titel des Gedichts, der auch zugleich der Satz ist, den ich in Situationen der kleinen alltäglichen Rebellion gebrauche. Oft leicht ironisch, denn eigentlich halte ich mich an Regeln. Meine Rebellion ist dann sowas wie etwas wie noch 5 Minuten länger Pause zu machen, statt direkt zurück in den Kurs zu gehen.

Today’s prompt was to incorporate rebellion into our poetry in some way. The first words of each verse make up a German phrase meaning aproximately „Sometimes you have to be rebellious“. It’s the phrase I use in situations of my small personal rebellion. It’s also kind of ironic, because I am actually more of a rule person, so my rebellion might be something like making the break 5 minutes longer instead of going straight back to class.

NaPoWriMo 18: Ein Ende

Ist es ein Sieg, wenn niemand mehr gewinnt?
Wenn wir sie täglich sterben sehen
und überleben?
Wie kann man nur?
Befehlen zu sterben,
Folge leisten?
Ist Sieg das einzige Glück,
das diese innere Bewegung,
das Zittern zum Erblühen bringt?
Ernüchterung.
Ist das das Schicksal, das uns bleibt?
Ein schwerer Sieg?
Wenn die, die lachen, weinen müssten
und nur der Wind zwischen leeren Körpern tanzt
bis Neues Wurzeln darin schlägt.
Wir werden es nicht sehen,
wir sind dann vergangen,
so verlebt.

 

Heute war der Schreibanreiz etwas komplizierter: Wir sollten uns ein uns unbekanntes Gedicht suchen, und dieses dann abdecken und Schritt für Schritt, von der letzten Zeile beginnend und bis zur ersten Zeile wieder aufdecken. Dabei war die Aufgabe, zu jeder Zeile einen antwortenden oder darauf Bezug nehmenden Vers zu schreiben, der dann das eigene Gedicht ergibt. Ich habe meinen Gedichtsammelband durchblättert und schließlich mit „Letzter Wille“ von Friedrich Nietzsche gearbeitet. Allerdings habe ich mich nicht genau an den Ablauf gehalten und das Ergebnis nachbearbeitet, sodass nun gelegentlich aus einer Zeile von Nietzsche zwei Zeilen von mir geworden sind.

My line-by-line backward-poem refers to Friedrich Nietzsches „Letzter Wille“.

NaPoWriMo 12: An Flüssen

Am Ufer angekommen, beginnt der Weg. Das Blätterdickicht ist gekürzt worden, der Blättertunnel ist aufgebrochen. Büsche haben sich in den Wind geschlagen, sodass eine Wand voller gemalter Rosen am Weg liegt. Hinter der dritten Kurve wartet eine Umleitung. Man kann sie ignorieren und den alten Weg nehmen, aufgerissen wie er ist, Schotter wie steiniger Schorf an der Oberfläche. Es erfordert Konzentration nicht umzukippen, der Blick, den man nur kurz vom Boden nehmen kann, erkennt die Umgebung nicht wieder. Ist es noch der richtige Weg? Aber dann beginnt der feste Boden erneut und es ist alles beim Alten. Die Risse im Asphalt, die Flicken, die Hügel, wo Wurzeln unter dem Weg wachsen und Wiesen daneben. Die kleinen schwarzen Fliegen sind noch die gleichen wie immer, sie zeigen den Frühling so sicher an, wie der unscheinbare Duft nach Blüten, der manchmal mit dem Wind kommt und das frisch gemähte Gras, dass sich grün und schwer auf die Nase legt. Auch der Fluss ist breit ungerührt breit und schwankt im Abendlicht zwischen lichtlos grün und flaschenbraun. So ist alles noch da und es ist ein Fallenlassen in die Geradlinigkeit einer Strecke ohne Ampeln und Kreuzungen – nichts, was den fluss der Gedanken hindern könnte, nichts was die Gleichmäßigkeit der Beine stört.

Veränderung beginnt
zwischen Heimat und Fremde
Der Weg führt weiter.

 

Ich bin von der Uni aus nicht in Richtung meiner Wohnung gefahren, sondern in Richtung meiner Familie und wenn ich auch den Weg nicht bis zum Ende gefahren bin, so war es doch ein wenig wie ein Heimkommen. Als Form habe ich mich an Maureen’s heutige Ideengebung gehalten, die ich im Rahmen von NaPoWriMo schon öfter ausprobiert habe: Den Haibun.

After university, I didn’t take the usal path back to my shared flat, but the old way in the direction of where my family lives. Even if I did not follow the path all the way there, it was still a sort of home-coming. The form I used to express this is called a Haibun ( I am following NaPoWriMo.nets prompt for April 12).