Der Lauf der Zeit

Schließ die Augen und höre
die Zeit
sie vergeht mit dem Sekundenzeiger
klackende Schritte im Kreis
Schließ die Augen und schmecke
die Zeit
sie vergeht mit deinem Atem
du lässt sie frei in die Luft hinaus
Schließ die Augen und spüre
die Zeit
sie vergeht mit jedem Herzschlag
pulsiert aus dem Inneren bis in die Fingerspitzen
Du kannst sie nicht zurückholen, nicht festhalten,
nicht stoppen und nicht verlangsamen
doch du kannst sie genießen!

 

An einem gemütlichen Abend habe ich ein Buch über Rauhnächte gelesen, über das Besinnliche, das Abschiednehmen vom alten Jahr und begrüßen des Neuen.

On a comfortable evening on the couch, I read a book about the Twelve Nights between Christmas and Epiphany, about reflection, bidding the old year farewell and welcoming the new one.

Advertisements

Fokussuche

Eine Idee
macht den Anfang
bringt den Stein ins Rollen
die Möglichkeiten sind sooo groß
und jede von ihnen öffnet die Tür für drei neue
Entscheidungen bringen Klarheit, doch auch Himmel sind klar
Wir drehen uns, tasten in alle Richtungen, im Nebel auf der Suche nach Fokus
Eine Richtung bedeutet nur noch zwei offene Dimensionen
Richtungsänderungen erwarten uns am Wegrand
Nach und nach findet sich die Ebene
die Linie, der Weg erscheint,
dann aus dem Nebel:
das Ziel

Momentan habe ich einige verschiedene Situationen in meinem Leben, auf die bezogen ich mitten in diesem Prozess stecke: Auf der Suche nach dem Punkt, dem richtigen Weg, der richtigen Entscheidung – Fokus.

Currently I have several situations in my life where I have to find focus: the right way, that one point where I want to get, the right decision or aim…

Sternenregen

Es regnet Sterne
kalte kleine Universen
unsichtbar in der Dunkelheit
spüre ich sie trotzdem auf der Stirn
Im Scheinwerferlicht leuchten sie
ein letztes Mal auf
um dann mit der Nacht zu schmelzen.

 

Heute hat es zum ersten Mal in dieser Saison mehr als nur geschnieselt und ich bin durch den leichten Schneefall nach Hause geradelt.

First snow – always a beautiful moment. I biked home through it tonight.

Sie wartet

Sie wartet auf die Ewigkeit
ein kleines Stück, von Zeit zu Zeit
durchwachte Nächte, durchwachte Tage
schlaflos halten sie sich die Waage
Denn wer schläft, verpasst die Ewigkeit
verpasst das Licht mit Augen weit
Die Jahre verblasen sich im Wind
nur noch verblasste Erinnerungen, wie es war als Kind
Zusammen lachen, damals war sie nicht allein
nur wartet sie nur noch es nicht mehr zu sein
Damals war sie eine von vielen
Dann viel alleine, während Blätter fielen,
dann Schneeflocken, dann Pollen
Sie weiß nicht, wie lang schon die vollen
Monde sich runden, dann wieder verschwinden
im Kreis sich drehen ohne Ruhe zu finden
wie sie.    Stillstand mit nur einem Ziel
der Ewigkeit.

 

Ich weiß nicht genau, wie es dazu kam, aber an dieser Stelle danke an meinen Schreibpartner fürs mitmachen.

I’m not quite sure, what was the inspiration for this… Maybe the mood…

Tugenden

Man fängt mit großen Plänen an
und scheitert wiederholt daran
Die größten Träume? Unerreichbar?!
Wann werden schon mal Wünsche wahr?
Der größte Berg und man steht unten
besteigen oder sogar nur umrunden
erscheint beinahe aussichtslos
bis man erkennt es sind auch bloß
Die kleinsten Schritte bis nach droben,
zwar viele, doch nicht unbegrenzt nach oben
Mit Durchhaltevermögen und Pflichtgefühl
etwas Hingabe hilft auch viel
ist man dem Gipfel bald schon näher
und manchmal später, manchmal eher
ist das Ziel nicht mehr weit voraus
man erreicht es und sieht vom Gipfel aus
die Sonne aufgehen.

 

Ich belege gerade ein Seminar zur Informationsphilosphie – eigentlich geht es aber um Ethik. Es gibt so viel zu bedenken, um ethisch handeln zu können, aber irgendwie hat doch wieder meine optimistische Seite die Oberhand bekommen. Wenn man es nicht versucht, dann kann man nur scheitern.

I am currently attending a seminar, where we talk about ethics for software engineers. There is so much you have to think about when trying to act ethically. In the end, the optimist in me contributed to this poem though. If you don’t try, you can’t succeed.

Fernweh

Fernweh
– es wirkt so leicht
                    so unüberlegt
                              so frei
ich weiß, es war oft anstrengend
   verplante Wochen bis zum Schluss
      und ich hing immer an daheim
Und trotzdem: Fernweh
Wann war ich zuletzt so braun gebrannt?
                                            so sonnendurchtränkt?
                                                      so windzerblasen?
Träume und Erinnerungen bleiben Träume.
Unvorstellbar:
Jetzt alleine los zu ziehen…
Und doch: In diesem Moment
würde ich die Zeit zurückdrehen.

 

 

Lang, lang ists her. Sowohl die Reise, auf die dieses Gedicht Bezug nimmt, als auch das letzte Mal, dass ich regelmäßig Gedichte veröffentlicht habe. Irgendwie scheint es bei diesem Blog eine Sommerpause zu geben, doch jetzt ist es Herbst geworden. Ich werde mich bemühen, ab jetzt wieder etwas regelmäßiger zu schreiben.

What a long time ago. It seems to have been ages ago: both the travels which I reminisce about in this poem, and the last time I’ve regularly updated this blog. I seem to have taken a sort of summer-vacation from poetry, but now it’s definitely autumn. I’ll try for a bit more routine in the next few weeks.

Schwebe

schwerelos
kleine Blätter treiben über den Himmel
flaschenunergründlich leichtet die Dämmerung daraus
rosa-orange wie nur sie es kann
still
nur Abendläuten vom anderen Ufer
der Tag löst sich in winzige Wellen auf
selbst das Hintergrundrauschen verstummt
zauberhaft
zarte silberne Fische huschen unter der Oberfläche dahin
meine Hände schweben im Dämmerlicht dazwischen
die Zeit steht still, dem wohnt ein Zauber inne
gedämpft
warme Luft perlt an mir ab und hüllt mich ein
steigt um mich herum vom Boden auf
und lässt den Traum nur langsam los
lebendig

swimming

 

Heute war ich relativ spontan im Fluss schwimmen, allein. Ich bin weiter als zuvor geschwommen mit dem Abendläuten wieder am Strand angekommen und habe ausgeharrt, bis die Glocken ausgeklungen waren, bevor ich nochmal ein Stück flussaufwärts geschwommen bin. Es war wunderschön! Danach war ich irgendwie in einer anderen Welt und wäre einmal fast in einen Laternenpfahl gefahren mit dem Fahrrad auf dem Rückweg.
Noch eine Anmerkung: Ein Teil des 12. Verses ist aus Hesses „Stufen“, auch wenn dessen Inhalt meinem fast entgegengesetzt ist.

Actually I had had other plans, but then I decided spontaneously to go swimming in the river and had a magical time. I felt like I was the only person, even though there were many others at the beach. I swam upstream as far as never before, then arrived back at the beach just in time for the evening bells. I stood still until they stopped ringing, then swam some more before biking home with my head in the clouds – another world entirely.