NaPoWriMo 30: Anekdoten – Dank an den Tierdokuschauer

Wenn Du und ich Schuppen haben
wechseln wir das Shampoo
Pangolins können das als einziges
Säugetier nicht, ihre Schuppen sind fest
gewachsen.

In Japan sind Kugelfische eine Spezialität
– die, nebenbei bemerkt, zum Tod führen kann –
aber Delfine benutzen sie als Droge
Vielleicht sollten wir das mal ausprobieren, noch mehr
Nervenkitzel.

In einem Löwenrudel ist die Arbeit klar geregelt,
die Löwinnen übernehmen 90% der Jagd
der Löwe brüllt gelegentlich – aber das können
männliche Strauße auch – warum kommt mir das nur
vage bekannt vor?

Manche Vögel mögens heiß – und sparen
sich den Nestbau. Das Malau-Huhn legt Eier
in Vulkanasche, man muss nur aufpassen, das Ei
rechtzeitig vor dem Garen abzukühlen,
sonst wird es hart.

Die einzigen Säugetiere mit Menopause sind
weibliche Buckelwale, Elefanten und Menschen.
Drei graue Eminenzen – wie Hitzewallungen wohl
im Ozean wirken? In der Savanne? Ein Bild im Kopf:
Fächelnde Ohren.

Eine beneidenswerte Fähigkeit haben Kühe:
Sie können im Stehen schlafen, also selbst
in der vollen U-Bahn oder im Aufzug, aber
Träumen können Sie nur im Liegen, Träume sind
für ruhige Nächte.

 

Die heutige Inspiration bezieht sich auf Jorge Luis Borges: Wir sollen einen merkwürdigen/bemerkenswerten Fakt in unser Gedicht einbauen. Ich bin wohl etwas über das Ziel hinaus geschossen und habe gleich mit mehreren geschrieben. Mein Schreibfreund unterhält mich gelegentlich mit solchen Fakten aus dem Tierreich, ein paar der hier poetisch elaborierten stammen auch von ihm.

Today’s prompt was to take our cue from Jorge Luis Borges and write a poem around a strange fact. My pen’n’poetry pal occasionally sends me this kind of fact as a distraction in boring lectures, and his are mostly about animals. I’ve used some of them (and some others) in this poem.

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NaPoWriMo 27: Why World?

Why is the world female?

Because we are all born from her?

Why is she biblical?

Why is she surrounded by symbols for men?

Why is she almost naked?

Because we have stripped her of nearly everything?

Why is there a cloth wound around her?

Why doesn’t she trip over it?

What is she holding?

Why is it so pointy?

Because she is getting ready to fight back?

Will she tell the truth? – She cannot lie.

 

 

The World - Tarotkartendarstellung

 

Today’s prompt at NaPoWriMo.net was to use Tarot Cards as inspiration for poems. Mine reflects directly on the image above. The last line stems from the interpretation given at this website on tarot, which says that it can stand for Truth.

Heute war meine Inspirationsquelle (neben der Idee von Maureen und den Umsetzungen all der anderen, an NaPoWriMo teilnehmenden Dichtern – wenn ihr mehr Gedichte lesen wollt, dann empfehle ich euch wirklich, euch dort durch die Kommentare zu wühlen bzw. den dort gegebenen Links zu folgen, da sind sehr schöne Sachen dabei) die oben gegebene Tarotkarte. Das Gedicht ist aus einer Art Beschreibung/Hinterfragen derselben entstanden.

NaPoWriMo 18: Ein Ende

Ist es ein Sieg, wenn niemand mehr gewinnt?
Wenn wir sie täglich sterben sehen
und überleben?
Wie kann man nur?
Befehlen zu sterben,
Folge leisten?
Ist Sieg das einzige Glück,
das diese innere Bewegung,
das Zittern zum Erblühen bringt?
Ernüchterung.
Ist das das Schicksal, das uns bleibt?
Ein schwerer Sieg?
Wenn die, die lachen, weinen müssten
und nur der Wind zwischen leeren Körpern tanzt
bis Neues Wurzeln darin schlägt.
Wir werden es nicht sehen,
wir sind dann vergangen,
so verlebt.

 

Heute war der Schreibanreiz etwas komplizierter: Wir sollten uns ein uns unbekanntes Gedicht suchen, und dieses dann abdecken und Schritt für Schritt, von der letzten Zeile beginnend und bis zur ersten Zeile wieder aufdecken. Dabei war die Aufgabe, zu jeder Zeile einen antwortenden oder darauf Bezug nehmenden Vers zu schreiben, der dann das eigene Gedicht ergibt. Ich habe meinen Gedichtsammelband durchblättert und schließlich mit „Letzter Wille“ von Friedrich Nietzsche gearbeitet. Allerdings habe ich mich nicht genau an den Ablauf gehalten und das Ergebnis nachbearbeitet, sodass nun gelegentlich aus einer Zeile von Nietzsche zwei Zeilen von mir geworden sind.

My line-by-line backward-poem refers to Friedrich Nietzsches „Letzter Wille“.

NaPoWriMo 12: An Flüssen

Am Ufer angekommen, beginnt der Weg. Das Blätterdickicht ist gekürzt worden, der Blättertunnel ist aufgebrochen. Büsche haben sich in den Wind geschlagen, sodass eine Wand voller gemalter Rosen am Weg liegt. Hinter der dritten Kurve wartet eine Umleitung. Man kann sie ignorieren und den alten Weg nehmen, aufgerissen wie er ist, Schotter wie steiniger Schorf an der Oberfläche. Es erfordert Konzentration nicht umzukippen, der Blick, den man nur kurz vom Boden nehmen kann, erkennt die Umgebung nicht wieder. Ist es noch der richtige Weg? Aber dann beginnt der feste Boden erneut und es ist alles beim Alten. Die Risse im Asphalt, die Flicken, die Hügel, wo Wurzeln unter dem Weg wachsen und Wiesen daneben. Die kleinen schwarzen Fliegen sind noch die gleichen wie immer, sie zeigen den Frühling so sicher an, wie der unscheinbare Duft nach Blüten, der manchmal mit dem Wind kommt und das frisch gemähte Gras, dass sich grün und schwer auf die Nase legt. Auch der Fluss ist breit ungerührt breit und schwankt im Abendlicht zwischen lichtlos grün und flaschenbraun. So ist alles noch da und es ist ein Fallenlassen in die Geradlinigkeit einer Strecke ohne Ampeln und Kreuzungen – nichts, was den fluss der Gedanken hindern könnte, nichts was die Gleichmäßigkeit der Beine stört.

Veränderung beginnt
zwischen Heimat und Fremde
Der Weg führt weiter.

 

Ich bin von der Uni aus nicht in Richtung meiner Wohnung gefahren, sondern in Richtung meiner Familie und wenn ich auch den Weg nicht bis zum Ende gefahren bin, so war es doch ein wenig wie ein Heimkommen. Als Form habe ich mich an Maureen’s heutige Ideengebung gehalten, die ich im Rahmen von NaPoWriMo schon öfter ausprobiert habe: Den Haibun.

After university, I didn’t take the usal path back to my shared flat, but the old way in the direction of where my family lives. Even if I did not follow the path all the way there, it was still a sort of home-coming. The form I used to express this is called a Haibun ( I am following NaPoWriMo.nets prompt for April 12).

 

NaPoWriMo 3: unwritten poetry

11 years
more than numbers:
birding,
yearning,
peeling apples,
being human,
looking through the stars
out of my rocking chair
rusted roses
wilderness fire
glaciers
flying reflections
all for you
for you
for you
for you

 

Today, it was back into prompt for me, as Maureens prompt at NaPoWriMo.net was to write a list poem, with the list consisting of made-up names. Her example was band-names, but I usually listen to music without knowing the band. I ended up leafing through my old poetry-books to find the idea lists – sometimes I have ideas, but I don’t know how to include them in poems, or I have title, but not the poem to go with it. Out of these ideas, I made up names of poems I still want to write, and mixed them up to form a new poem. „For you“ is there more than once, because I often give poems I write for people’s birthdays etc this title or a similiar one, like „For [Name]“. I plan to write many more of those.

Heute war als Anregung auf NaPoWriMo.net gegeben, dass wir ein Listengedicht, bestehend aus lauter ausgedachten Namen, schreiben sollten. Zuerst war es wie umgekehrtes Scrabble (da darf man ja keine Namen her nehmen), und irgendwie schwierig für mich. Aber dann bin ich auf die Idee gekommen, ein Gedicht aus lauter ungeschriebenen Gedichten zu schreiben. Ich habe also meine alten Gedichtbücher durchgeblättert, auf der Suche nach unausgeführten Ideen. Für diese habe ich mir dann Titel ausgedacht und ta daa…

NaPoWriMo 29: Watchful

Like ice
they reflect the world
from their polished surface
keeping hidden the dark depths
of the rivers within
spectres like wisps of cloud
traveling lightly in their mirrors
be they storm, saphire,
water, lightning, tea
in color
Thoughts flitting across the surface
like flat stones flipping
across a lake
In dark nights
I see the stars reflected
in yours.

 

I have a book of poetry which is illustrated with quilted pictures and artwork in cloth and fabric, and one of my favorite poems from it is „How to be a friend“ by Pat Lowery Collins, because it is so on the point – short and clear. The problem is, there are no concrete nouns in it. So I chose instead another poem I hold dearly, which was written for me, and from it, the word eyes, to work with today’s prompt.

Heute sollten wir uns aus einem Lieblingsgedicht ein konkretes Nomen aussuchen, zu diesem brainstormen und daraus ein neues Gedicht formen. Mein Wort ist „Augen“ (also auf Englisch ;) ) aus einem für mich geschriebenen Gedicht, das aber auch auf Englisch ist. Außerdem hab ich das Wort bei der Bildersuche im Web als Anfrage genutzt und daraus weitere Ideen gezogen.

NaPoWriMo 26: Why chalk?

Layers of rock
are books to me
classifications of life
they speak of ages past
eonothems and erathems long gone
Ordovician newly-born plants
speak of first landgreens
Silurian fish leave me
jaw-open, as they populate the seas
Permian concludes in a catastrophe
but flies fly first
I could continue lecturing,
but that is not what bothers me
still one layer remains
a mystery to me
It’s mainly what we call
codedmixtemium when
apes must have ruled that planet
scraps of what might have been
first technology show up – held together
by thin metal hair and flat shapes
a puzzle we have yet to solve
But what puzzles me most – personally –
is the chalk
It doesn’t belong there
should be cretaceous
down where huge reptilian bones are buried
first delicate tree leaves reside
and the coccoliths and dinoflagellates
which bloomed in the water
and became chalk
much later
Especially not pressed into these condensed
cylindrical forms
flaking off at touch
– some kind of early cultural object,
decoration or jewelry?
Sometimes a time machine would be useful
for us archaeologists specialised on
Earth

Today’s prompt was to write about an object from the present from the point of view of a future scientist. Since I was at university at the time of reading the prompt I chose one of the first things I noticed: a piece of chalk. Thanks to a friend of mine studying environmental geology, who helped me out with some of the geological information!

Heute sollten wir aus der Perspektive eines Wissenschaftlers der Zukunft über ein Objekt aus der Gegenwart schreiben und da ich gerade in der Uni war, als ich auf NaPoWriMo.net nach der heutigen Idee geschaut habe, war es eben ein Stück Kreide, das mir ins Auge gefallen ist. Vielen Dank an einen Freund, der mir mit Infos zur Geologie ausgeholfen hat!